- Jobs Vacancy

Umfrage: Jeder dritte Deutsche sorgt sich um seinen Lebensunterhalt – WELT


Inflation und steigende Energie- und Lebensmittelpreise beunruhigen die Deutschen stark. Mehr als jeder dritte Bundesbürger (38 Prozent) ist in Sorge, seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsauskunftei Schufa ergeben, die WELT AM SONNTAG vorliegt.

Damit hat sich die Furcht vor finanziellen Problemen in nur wenigen Monaten deutlich verschärft. Noch im Januar dieses Jahres teilte die Sorge vor nicht mehr zu stemmenden Kosten nur etwa jeder vierte Bürger (28 Prozent). Für die Umfrage hat die Schufa im Mai eine repräsentative Bevölkerungsgruppe von 1000 Menschen befragt.

Lesen Sie auch

Etwa jeder Siebte wird demnach „mit großer Wahrscheinlichkeit“ sogar einen Kredit aufnehmen müssen, um seinen Lebensstandard halten zu können. Ebenso viele mussten sich nach eigenen Angaben bereits Geld bei Verwandten, Bekannten oder Freunden leihen. Und fast ein Viertel der Befragten habe aufgrund der gegenwärtigen Situation sein Konto bereits überzogen.

Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungsreihe im September 2020. Die Konsequenzen des Ukraine-Kriegs drücken zudem auf die Grundstimmung im Land. So blicken mittlerweile fast zwei Drittel (62 Prozent) „eher sorgenvoll“ oder sogar mit „sehr großer Angst“ in die Zukunft, wie die Erhebung zeigt.

Lesen Sie auch

 Drei Städte, in denen die Nebenkosten reichlich unterschiedlich ausfallen

Lesen Sie auch

Advertorial Grün investieren

Mit den finanziellen Sorgen wachsen auch die Erwartungen an die Bundesregierung. So fordert eine deutliche Mehrheit von 79 Prozent, dass der Staat im Falle von Wirtschaftskrisen die Verbraucher finanziell unterstützt. Fast zwei Drittel würden dabei direkte Hilfen bevorzugen, wie etwa ein Energiegeld. Nur 15 Prozent sagen hingegen, der Staat solle zuerst betroffene Unternehmen etwa über Soforthilfen unterstützen.

In der Folge könnten schon bald weitere Hilfsleistungen des Staates notwendig werden, sagte Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Die großen finanziellen Sorgen, kombiniert mit den stark gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreisen, zeigen, dass für viele Haushalte die Entlastungspakete nicht die Mehrbelastungen ausreichend ausgleichen.“

Kaum Angst vor Jobverlust

Für viele Verbraucher bleibe eine spürbare Lücke, auch seien die Zuwächse bei den Nahrungsmittelpreisen noch gar nicht kompensiert. „Es dürfte damit nötig werden, dass die Bundesregierung noch einmal mit Entlastungen nachlegt“, prognostizierte Dullien. Das gelte einerseits für Gruppen, die bislang weitgehend ausgeklammert seien – etwa Rentner und Studenten. Andererseits dürften aus Sicht des Ökonomen die Preise auch im kommenden Jahr hoch bleiben und Lohnerhöhungen die verlorene Kaufkraft absehbar nicht ausgleichen.

Angst vor einem Jobverlust hat aber nur eine deutliche Minderheit, wie die Erhebung zeigt. Fast neun von zehn Beschäftigten sehen ihren Arbeitsplatz als „sehr“ oder „eher“ sicher an. „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist derzeit gut, die Unternehmen haben volle Auftragsbücher, und aufgrund der demografischen Entwicklung werden Fachkräfte in einigen Bereichen zunehmend knapper“, sagte Dullien.

Lesen Sie auch

Gut die Hälfte der befragten Bundesbürger plant teils deutliche Einschränkungen beim Konsum

Allerdings sieht der Ökonom nicht unerhebliche Risiken für die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt, etwa einen Gaslieferstopp aus Russland. Dann wäre erneut wichtig, dass der Staat schnell reagiert, um mit Kurzarbeit und Hilfsprogrammen die Beschäftigung zu stützen.

Das Bundesverbraucherschutzministerium von Steffi Lemke (Grüne) betont, die Bundesregierung habe „umfassende und schnell wirksame Entlastungen“ für Bürger auf den Weg gebracht. Dennoch sei zu befürchten, dass „die Überschuldungsrisiken insbesondere für einkommensschwächere Haushalte zunehmen“, erklärte eine Sprecherin. Es sei auch wichtig, die Schuldner- und Insolvenzberatung zu stärken.

Lesen Sie auch

Dafür wolle man voraussichtlich eine Million Euro jährlich in die Hand nehmen, teilte das Ministerium auf Nachfrage mit. Daneben setze sich das Bundesverbraucherschutzministerium auf EU-Ebene dafür ein, dass der Schutz vor nicht marktgerechten Zinsen und Wucher bei allen Darlehensformen gestärkt und irreführende Werbung verboten wird.

Wohlfahrtsverbände fordern schon lange eine bessere Ausstattung der Beratungsstellen sowie ein Recht auf kostenlose Schuldnerberatung. Die Wartelisten in den Schuldnerberatungsstellen seien lang, heißt es von der Diakonie Bayern. Die Corona-Pandemie und die Inflation verschärfe die Situation vieler Haushalte zusätzlich.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte von Drittanbietern

Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist deine widerrufliche Einwilligung in die Übermittlung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten notwendig, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung verlangen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Indem du den Schalter auf „an“ stellst, stimmst du diesen (jederzeit widerruflich) zu. Dies umfasst auch deine Einwilligung in die Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten in Drittländer, u.a. die USA, nach Art. 49 (1) (a) DSGVO. Mehr Informationen dazu findest du hier. Du kannst deine Einwilligung jederzeit über den Schalter und über Privatsphäre am Seitenende widerrufen.

About cinipediasite

Read All Posts By cinipediasite

Leave a Reply

Your email address will not be published.